Ich bin im Glauben aufgewachsen, dass ein interessierter und gut informierter Bürger sich mit den aktuellen Geschehnissen befassen soll. Die gängigsten Informationsquellen sind dabei Formate wie die Tagesschau, Radio oder Tageszeitungen. Über die Jahre bin ich zur Überzeugung gelangt, dass der regelmässige Konsum von Nachrichten nicht nur Zeitverschwendung ist, sondern oft dazu führt, dass sich das Weltbild der Nachrichtenkonsumenten immer stärker von der Wirklichkeit entfernt.
Nur in seltenen Fällen, wie beispielsweise zu Beginn des landesweiten Lockdowns im Frühjahr 2020, bringt es dem Durchschnittsbürger einen Mehrwert über aktuelle Geschehnisse informiert zu sein. Gemeinhin sprechen wir dabei von historischen Momenten.
Das Gewöhnliche ist keiner Schlagzeile Wert
Nachrichten bestehen grösstenteils aus Anomalien oder sehr unwahrscheinlichen Ereignissen, die wenig mit der realen Lebenswelt der Bürger zu tun haben. Das Gewöhnliche ist keiner Schlagzeile Wert. Oder hast du Mal etwas wie „Heute keine Kriegshandlungen zwischen der Schweiz und Österreich“, „Schon wieder kein Flugzeugabsturz“ oder „Gestern weltweit 3500 Tote im Strassenverkehr“ gelesen? Zudem verkaufen sich negative Schlagzeilen tendenziell besser als positive Neuigkeiten.
Die Verfügbarkeitsheuristik ist eine kognitive Verzerrung, die bewirkt, dass man etwas als häufig oder Normalzustand wahrnimmt, wenn man sich einfach an Beispiele erinnern kann. Da die Nachrichten voll von seltenen und anormalen Ereignissen aus der ganzen Welt sind, werden diese von Nachrichtenkonsumenten systematisch zu hoch gewichtet.
Dass der Konsum von Nachrichten Zeitverschwendung ist, haben insgeheim wohl schon viele bemerkt, die versehentlich eine alte Tageszeitung in die Hände bekommen haben. Den meisten Inhalten wird wenig Beachtung geschenkt, da sie überholt sind. Das gewichtigere Argument ist jedoch, dass es sich bei Nachrichten um Dinge handelt, über die ich keine Kontrolle habe.
Vorschläge, wie man sich besser informieren kann:
- Keine Nachrichten konsumieren. Wenn es wirklich wichtig ist, wird man auch so davon erfahren.
- Fokus auf Inhalte mit langer Halbwertszeit.
- Faktenbasierte Informationsquellen wie beispielsweise die Werke von Hans Rosling.
- Vergleichendes Lesen zu einem Thema.