Viele der digitalen Technologien, die heute unseren Alltag und unsere Arbeitswelt prägen, existieren in ihren Grundzügen seit Jahrzehnten.
Mitte der 1990er-Jahre stempelte ich noch die Rechnungen meiner Grossmutter am Postschalter im gelben Postbuch ab – während erste Banken bereits E-Banking anboten. Für Hausarbeiten griff ich zu den Bänden der Brockhaus Enzyklopädie, während andere schon im Internet recherchierten.
Die Zukunft ist schon hier – sie ist nur nicht gleichmässig verteilt.
– William Gibson
Was früher nur wenigen vorbehalten war, ist heute selbstverständlich: Ferien online buchen, sich per Textnachricht verabreden, Erlebnisse auf WhatsApp, Instagram oder Facebook teilen.
Neue Technologien setzen sich selten über Nacht durch. Über längere Zeiträume können sie jedoch unser Leben und Arbeiten grundlegend verändern. Das liegt daran, wie sich ihre Nutzung mit der Zeit entwickelt.
Die erste Phase ist oft ein 1:1-Ersatz bestehender Prozesse: Wikipedia statt Enzyklopädie, E-Banking statt Schaltergang. Die wirklichen Umbrüche passieren in der zweiten Phase, wenn Unternehmen und Institutionen Prozesse neu denken. Heute können wir nicht nur Rechnungen online begleichen, sondern per TWINT Kosten teilen und Budgets in Echtzeit überwachen. Statt einzelne Fakten nachzuschlagen, lernen wir mit Duolingo spielerisch Sprachen oder besuchen via Coursera Vorlesungen renommierter Universitäten.
Künstliche Intelligenz wird seit Jahrzehnten erforscht – die Dartmouth Conference 1956 gilt als offizieller Startschuss. Der Begriff Artificial Intelligence stammt von dort. Für Endnutzer kam der Durchbruch jedoch erst 2022 mit dem Launch von ChatGPT.
Auch hier erleben wir zunächst den 1:1-Einsatz in bestehenden Arbeitsschritten. Das volle Potenzial wird erst dann sichtbar, wenn wir beginnen, Prozesse radikal neu zu gestalten.
Wir neigen dazu, die Veränderungen der nächsten zwei Jahre zu überschätzen – und die der nächsten zehn Jahre zu unterschätzen.
– Bill Gates
In welcher Phase befindest du dich – und in welcher Phase stehen die Unternehmen und Institutionen, mit denen du zusammenarbeitest?