Wenn man wie ich in der Mitte des Lebens angekommen ist, kann man leicht das Gefühl erlangen, dass man die Jahre mit grossen Veränderungen hinter sich hat. In den nächsten Jahrzehnten wird man zwar stetig ein wenig älter, die Prioritäten und Bedürfnisse, werden sich wohl nur noch beschränkt ändern.
Interessanterweise kommen die meisten Menschen, egal in welcher Lebensphase sie sich gerade befinden, zum selben Schluss. Ja, in den letzten fünf oder gar zehn Jahren hat sich bei den meisten von uns viel verändert. Aber jetzt, genau zu dem Zeitpunkt, in dem du diesen Text liest, ist das vorbei und von heute an wirst du dich weit weniger verändern. Zumindest glauben wir das.
Diese Illusion vom Ende der Geschichte kann dazu führen, dass wir Entscheidungen für unser zukünftiges Ich fällen, das nicht seinen Bedürfnissen entspricht. Wenn du dir eine Wohnung kaufst, kann es sein, dass sie in einigen Jahren zu gross oder zu klein ist oder du einen Job an einem anderen Ort hast. Wenn du eine langjährige Ausbildung startest, ist es gut möglich, dass du am Ende kein grosses Interesse hast, das gelernte auch anzuwenden.
Aus diesen Beobachtungen können wir zwei Sachen lernen. Einerseits ist bei einer Entscheidung jene Option, die mir eine grössere Flexibilität und mehr Spielraum ermöglicht, tendenziell vorzuziehen. Denn damit kann ich leichter auf meine sich verändernden Bedürfnisse und Werte reagieren. Andererseits sollte ich Entscheidungen und Investitionen meines vergangenen Ichs nicht als Verpflichtung sehen, sondern als Geschenk, das ich nicht annehmen muss.