Experimente haben in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass Leute es vorziehen weniger zu verdienen (z.B. 80), wenn ihre Kollegen noch weniger verdienen (65), als mehr zu verdienen (100) wenn die Kollegen noch mehr verdienen (150). Es entscheidet nicht die absolute Höhe des Gehalts, sondern der Vergleich mit den Bezugspersonen.
Einen ähnlichen Sachverhalt lässt sich aktuell bei der Diskussion über die Gehälter in der Pflegebranche beobachten. Einige argumentieren, dass die Löhne für diese systemrelevanten Berufe zu gering sind. Und tatsächlich liegt die Schweiz im OSZE-Vergleich auf den hinteren Plätzen. Eine Schweizer Pflegefachkraft erhält im Schnitt nur 85 Prozent des schweizerischen Durchschnittseinkommens, während es in der OSZE 115 Prozent sind und in Mexiko gar 175 Prozent.
Wenn man als Vergleich nicht die eigenen Landsleute heranzieht, sondern die Fachkollegen in anderen Ländern, sieht das Bild anders aus. Kaufkraftbereinigt liegen die Gehälter der Schweizer Pflegefachkräfte durchschnittlich im höchsten Viertel der OSZE und rund doppelt so hoch wie in Mexiko.
Das heisst, dass Schweizer Pfleger sich mit ihrem Gehalt mehr kaufen können als die meisten ihrer Fachkollegen in der OSZE. Trotzdem fühlen sie sich ungerecht behandelt, da der durchschnittliche Schweizer Arbeitnehmer noch mehr verdient.
Die ganze Diskussion bringt uns als Gesellschaft jedoch nicht weiter, denn der soziale Vergleich ist ein Nullsummenspiel. Wenn sich jemand über den Durchschnitt entwickelt, fällt ein anderer darunter. Und wie in Experimenten gezeigt, sind nicht wenige Personen bereit den Durchschnitt zu senken, um selbst darüber zu sein.
Nachhaltig wäre das Ziel die Lebensqualität in absolutem Bezug anzuheben. Lasst uns unsere Energie auf Themen fokussieren, bei denen alle gemeinsam profitieren können.