Dieses Frühjahr war man in der Schweiz während des Lockdowns meist zu Hause und es war ein breit getragener Konsens, dass man Risikogruppen schützen soll. Zu diesen Risikogruppen gehören insbesondere Grosseltern, die häufig über 65 Jahre alt sind. Als der Leiter des Bundesamts für Gesundheit Ende April die Aussage machte „Grosseltern dürfen Enkel wieder in Arme nehmen“ war ich bestürzt, wie Leute aus unserem Umfeld reagierten. Sofort fuhr man mit Kind und Kegel zu den alternden Verwandten und brachte diese potentiell in Gefahr. Dabei musste ich feststellen, dass es teilweise beim Lesen der Schlagzeilen blieb und die differenzierteren Verhaltensempfehlungen nicht wahrgenommen wurden. Zudem wurde die eindeutig uneindeutige Datenlage zur Ansteckungsgefahr durch Kinder geflissentlich ignoriert.
Dies war ein Paradebeispiel des Bestätigungsfehlers. Dies ist eine kognitive Verzerrung die dazu führt, dass wir Informationen so auswählen und interpretieren, damit sie unsere Erwartungen oder Ziele bestätigen.
Was der Mensch am besten kann, ist alle neuen Informationen so zu interpretieren, dass seine bestehenden Schlussfolgerungen bestätigt werden.
Warren Buffett
Die Erwartung der Grosseltern war wohl oft, möglichst bald die Enkel wiederzusehen und die der Eltern, wenn möglich die Grosseltern wieder in die Betreuungsaufgaben miteinzubeziehen. Eine einzelne vage Aussage eines Beamten genügte, um alle Vorsicht und dutzende anderslautende Empfehlungen von Wissenschaftlern und Sachverständigen in den Wind zu schlagen.

Der Bestätigungsfehler kommt in unserem Alltag viel häufiger zum Tragen als wir uns bewusst sind. Indem wir hauptsächlich Nachrichten konsumieren, die von Medienhäusern stammen, deren Berichterstattung sich mit unserer politischen Ausrichtung deckt, verfestigt sich unser einseitiges Weltbild. Plattformen wie Google oder Facebook verstärken diesen Effekt weiter, da sie uns mehr von der Art von Informationen vorlegen, für die wir uns in der Vergangenheit interessierten und die zu unserem Profil passen. So tendieren wir dazu uns immer stärker in einer Filterblase zu bewegen. Auch unsere Freunde wählen wir oft so aus, dass sie uns eher zustimmen als widersprechen.
Doch wie können wir aus unserer Blase ausbrechen? Indem wir Medien mit unterschiedlichen Standpunkten zum selben Thema konsumieren, versuchen Leute zu verstehen, die anderer Meinung sind und bereit sind unsere Meinung zu ändern anstatt unser Umfeld anzupassen. Letztlich ist es ein Prozess, den wir immer wieder von neuem angehen müssen.
Wenn du denkst Ich habe es schon immer gewusst! ist es wahrscheinlicher, dass du gerade einen Weg gefunden hast, die Realität deinen Erwartungen anzupassen als deine Erwartungen der Realität.