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Irreversible Kosten

Kognitive Verzerrungen sind systematisch fehlerhafte Tendenzen bei unserer Wahrnehmung, Erinnerung, unserem Urteilen und Denken. Wenn wir um diese Fehler wissen, haben wir eine Chance unser Weltbild der Wirklichkeit anzupassen.

Eine solche Tendenz ist, dass es uns schwer fällt von Dingen zu lassen, in die wir Zeit, Geld oder Energie investiert haben.

Stell dir vor, dass du beim Mittagessen in der Kantine zu viel geschöpft hast. Isst du trotzdem auf, auch wenn du dich danach überessen fühlst? Viele Leute lassen wohl etwas auf dem Teller zurück. Wenn man jedoch in ein edles Restaurant geht und hunderte von Franken ausgibt, verzichten wohl nur Wenige auf die letzten paar Gänge, obwohl sie eigentlich schon satt sind.

Ein anderes Beispiel sind öffentliche Bauten wie der Flughafen Berlin Tegel, die Elbphilharmonie oder das schottische Parlamentsgebäude. Der Bau von letzterem sollte zwei Jahre dauern und 40 Millionen Pfund kosten. Nach fünf Jahren und über 400 Millionen Pfund war das Gebäude fertig. Doch wieso hat man so viel mehr ausgegeben? Die Erklärung liefert der Fehlschluss der irreversiblen Kosten. Nachdem die ersten paar dutzend Millionen ausgegeben waren und klar wurde, dass es mehr Geld braucht, wollte niemand, dass man mit einer unfertigen Bauruine dasteht. Es schien besser nochmals Geld in die Hand zu nehmen als das Projekt abzubrechen. Und als klar wurde, dass die Mittel noch immer nicht ausreichten, wurde es umso schwieriger die Reissleine zu ziehen und nicht noch mehr Geld nachzuschiessen.

Unser Leben ist auch in vielen anderen Bereichen durch diese Verzerrung geprägt. So sind unsere Keller und Schränke voller Sportausrüstung, die wir nicht mehr benutzen oder Kleider, die uns nicht mehr passen. Aber es fällt uns schwer, uns von diesen Sachen zu trennen, da wir gutes Geld dafür ausgegeben haben. Subtiler sind die Situationen, bei denen es nicht um Dinge geht, sondern um Gesundheit, Werte und Beziehungen. Wenn man beispielsweise durch zu viel Arbeit die Gesundheit oder Beziehungen schädigt, wird es schwer fallen das eigene Narrativ zu ändern, denn man müsste sich und anderen eingestehen, dass man die Prioritäten falsch gesetzt hat. Oft fällt es leichter Gründe zu finden, wieso es richtig war so gehandelt zu haben, wie man es getan hat.

Dies bringt uns zur Frage, was man gegen diese Tendenz tun kann:

  • Ich muss um den Fehlschluss der irreversiblen Kosten wissen.
  • Ich kann mich fragen, ob bei meiner jeweiligen Tätigkeit irreversible Kosten in die Entscheidung einfliessen.
  • Und ich kann beginnen ein positives Resultat zu formulieren, wenn ich auf irreversible Kosten verzichte. Um das letzte Beispiel nochmals aufzugreifen, kann ich zum Schluss kommen, dass ich so viel gearbeitet habe, dass meine Ehe und Gesundheit Schaden nahm. Ich mir aber jetzt deren Wert bewusst bin und es in Zukunft besser machen kann.

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