
Hattest du auch schon die Erfahrung gemacht, dass man deine Argumente nicht verstand, auch wenn sie für dich absolut schlüssig waren? Vermutlich trug der Unterschied zwischen deinem Wissen und Erfahrungsschatz und dem deines Gegenübers erheblich dazu bei.
In vorgeschichtlicher Zeit lebten die Menschen in überschaubaren Gruppen. Wissen war entweder privat oder allgemein bekannt. Wenn du neues Wissen erwarbst, wie beispielsweise die Lage einer Quelle, konntest du einfach an bestehendem Allgemeinwissen anknüpfen und die Argumentation von da aus aufbauen. Heutzutage leben wir jedoch in einer hochspezialisierten Welt mit vielen Wissensgebieten. Konzepte und Ideen aus deinem Beruf sind vermutlich Laien nicht bekannt und darum als Argumentationsbasis im Gespräch mit ihnen ungeeignet.
Wenn du deinen Grosseltern die Datenschutzbedenken bezüglich der SwissCovid App nehmen willst, reicht es nicht von zufallsgenerierten Token, verschlüsselter Datenübertragung und Dienstzugriffen zu sprechen. Um Erfolg zu haben, musst du sie bei ihrem bisherigen Wissen abholen und von da aus einer lückenlosen Argumentationskette folgen – ohne Abkürzungen.
Du hast etwas nicht wirklich richtig verstanden, bevor Du es nicht Deiner Großmutter erklären kannst.
Albert Einstein
Wenn du das nächste Mal nicht verstanden wirst, kannst du dir folgende Fragen stellen:
- Wie sieht die Wahrheit für mein Gegenüber aus?
- Wo haben wir geteiltes Wissen?
- Und wie kann ich von diesem geteilten Wissen aus die Argumentationskette aufbauen?
Oder du überlegst dir von Beginn weg, wo du mit deinen Schlussfolgerungen beginnen musst, bevor das Unverständnis offensichtlich wird.
Natürlich kann die Entwicklung der Argumentationskette sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Diese Zeit ist jedoch vermutlich besser genutzt als sich gegenseitig seinen Standpunkt vorzutragen, worauf letztlich keine der Seiten einen Schritt macht oder neue Erkenntnisse gewinnt.